Harmonie und Inhalte statt Polemik und Machtkämpfe 100 Tage vor der Wahl.
Die Klimaliste feiert Geburtstag und entscheidet: „Wir treten wieder für sozial gerechte, ökologische Politik an!“

Am 5. Dezember 2025, 100 Tage vor der Kommunalwahl, entschieden die Mitglieder der Klimaliste Marburg/Marburg-Biedenkopf darüber, wer im März auf den Wahllisten steht. Die Aufstellungsversammlung der Klimaliste fand damit auf den Tag genau fünf Jahre nach der Gründung der Wählervereinigung statt.
2021 war das Bündnis mit einer Agenda für starken und sozial gerechten Klimaschutz auf Anhieb in die Parlamente für Stadt und Landkreis eingezogen. Das Ziel: Die Klimagerechtigkeitsbewegung in die Lokalpolitik tragen und Marburg bis 2035 klimaneutral machen. Im Kreis drängten die Gewählten immer wieder aus der Opposition heraus auf konsequenten Klimaschutz, während die Stadtfraktion diesen Schwerpunkt in einer Koalition mit SPD, Grünen und anfangs der Linken setzte.
Für die Klimaliste war zu ihrer Gründung klar: In einem demokratischen System müssen die Weichen früh gestellt werden, um die Klimakatastrophe so gut wie möglich abzufedern: Etwa durch den schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien und eine echte Wende etwa in der Mobilität oder im Bausektor. Obwohl vieles langsamer voranging als von den Politik-Neulingen erhofft, blicken sie zum Ende der Legislaturperiode auch auf einige Erfolge zurück.
Dass die Klimaliste als Juniorpartnerin in der Regierung mit Rot-Grün erstaunlich viel bewegen konnte, ist unter anderem Michael Kopatz zu verdanken. Er zog 2022 extra aus Osnabrück nach Marburg, um das auf Druck der Klimaliste neu geschaffene Amt des Dezernenten für Klimastrukturwandel, Bauen, Stadtplanung und Mobilität zu übernehmen. Dafür setzte sich der Umweltwissenschaftler in einer bundesweiten Ausschreibung gegen seine Mitbewerber*innen durch.
Kopatz, der nun auf Platz 1 des Wahlvorschlags für die Stadt Marburg steht, hat die knappe Zeit als Dezernent gut genutzt. So hat er unter anderem die „Leitlinien zum klimaneutralen und sozialverträglichen Bauen sowie zur klimaneutralen und klimawandelangepassten Flächennutzung“ auf den Weg gebracht, wonach nun bevorzugt nachhaltige Baumaterialien verwendet werden, wenn stadteigene Liegenschaften saniert werden müssen. In den Leitlinien ist auch das Prinzip „Sanierung vor Neubau“ festgelegt, womit neuer Flächenversiegelung effektiv entgegengewirkt werden soll. Die Reform der Stellplatzsatzung soll zusätzlich verhindern, dass im Falle neuen Wohnraums Parkplätze verpflichtend eingerichtet werden müssen.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Leitlinien ist die Begrünung. „Eine begrünte Stadt schafft Versickerung bei Starkregen und kühlt bei Hitze, sie verringert die Feinstaubbelastung und senkt den Lärmpegel“, erklärt Kopatz. Seine Vision: Gesundheit und Lebensqualität durch grüne, lebendige Stadtquartiere. „Auch der Vogelschutz wird nun mitgedacht und soziales Wohnen zwingender Teil der Verhandlungsbasis bei Neubau, denn Wohnen muss man sich wieder leisten können“, so Kopatz.

Auch im Bereich Mobilität gibt es laut Klimaliste noch viel zu tun. „Die Impulse aus Move35 und die neuen Spielräume der STVO-Novelle geben uns Rückenwind für die nächste Wahlperiode“, so Gabriele Kohlbrecher, Mobilitätsexpertin bei der Klimaliste. „Wir wollen die Chancen nutzen, um Marburg klimafreundlicher und lebenswerter zu gestalten. Schon heute haben wir wichtige Schritte gemacht – von besserer Radinfrastruktur über neu gewonnenen Raum für umweltfreundliche Mobilität bis hin zu mehr Sicherheit durch Temporeduzierung auf der Innenstadtachse. Und wir wissen: Da geht noch viel mehr.“
Warum auch nachhaltige Klimabildung entscheidend dafür ist, wie wir künftig mit unseren begrenzten Ressourcen und unserem Planeten umgehen, erklärt Christian Bluhm. Als neues Mitglied der Klimaliste bringt er seine breite Erfahrung aus kommunaler Bildungspolitik, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Klimabildung ein und zeigt, wie wir schon heute die Weichen für morgen stellen können: „Klimaschutz braucht Klimabildung und nachhaltige Lernorte. Stadt und Landkreis sollten dazu einen Beitrag leisten und sich auf den Weg zu einer nachhaltigen Lern- und Bildungslandschaft machen: mit einer klimaneutralen Energieversorgung, einer strikt ökologischen Beschaffung und Verpflegung, einer Entsiegelung und Verschattung von Schulhöfen und Spielplätzen, der Förderung eines nachhaltigen Ganztags, Fortbildungen für das Personal u.v.m. Die beste Schule um Nachhaltigkeit zu lernen ist eine selbst glaubwürdig nachhaltig handelnde Schule“, so Bluhm.
Auf der Liste für die im März stattfindende Kommunalwahl finden sich neben einigen neuen Namen durchaus auch bekannte Gesichter: Auf Platz 2 der Liste für die Stadt Marburg steht Frauke Haselhorst, die die Klimaliste zuletzt im Kreistag vertrat und für die Klimaschutz selbstverständlich auch eine soziale Frage ist. Sie setzt sich besonders für die Belange von Kindern und Jugendlichen ein, die sie aus ihrer langjährigen Arbeit als Sozialpädagogin gut kennt. Ebenfalls wieder antreten wollen Maik Schöniger und Salomon Lips, die nach einer Legislaturperiode mit ihren 40 und 29 Jahren noch nicht zu den „alten Hasen“ der Klimaliste gezählt werden wollen.
„Mein Wunsch wäre es gewesen, dass wir nicht wieder zur Kommunalwahl antreten müssen, weil es uns nicht mehr braucht. Gleichzeitig nehme ich wahr, dass es für wirklichen Klimaschutz in Marburg keine Alternative zu uns gibt.“, sagt Schöniger.

Salomon Lips ist in der Zwischenzeit Vater geworden, hat sein Referendariat in Teilzeit aufgenommen und steht dennoch wieder in Position. „Besonders in Zeiten mit erdrückenden Problemen in der Gegenwart ist es wichtig, dass weiterhin Kräfte im Parlament die Interessen zukünftiger Generationen im Blick haben. Ich selbst bin in diesem Jahr Vater geworden. Dadurch ist das für mich kein abstraktes Ziel mehr. Ich möchte dazu beitragen, mit pragmatischen Lösungen heutigen und zukünftigen Herausforderungen zugleich zu begegnen“, erklärt Lips.
Ein neues Gesicht ist Gwendolyn Berger, die sich bisher als Aktivistin für Klimaschutz eingesetzt hat. Gwen Berger liebt das Klettern und machte es zu ihrem Beruf. Sie ist Betriebsleiterin der DAV-Kletterhalle in Marburg und weiß um den Einfluss des Klimawandels auf unsere Umwelt. „Der Klimaschutzbericht 2025 zeigt, dass Deutschland mit der aktuellen Bundesregierung die eigenen Klimaziele krachend verfehlt und Klimaschutz ist eben kein ‚Jahrhundertprojekt‘, wie Friedrich Merz es formuliert, denn so viel Zeit haben wir gar nicht. Wir brauchen Klimaschutz jetzt und wenn es die Bundesregierung nicht hinkriegt, dann müssen wir den eben auf kommunaler Ebene selber machen“, so Berger.

Die Liste für den Landkreis Marburg-Biedenkopf führt Frauke Haselhorst an, die dort bereits seit 2021 für Klimagerechtigkeit und auch besonders für soziale und Geschlechtergerechtigkeit kämpft. Gemeinsam mit ihren Fraktionskolleginnen Merve Hamel und Jana Groth sowie dem Kreisausschuss-Mitglied Oliver Kienberg setzt sie sich für die energetische Sanierung der kreiseigenen Liegenschaften, für klimagesundes Schulessen, begrünte Schulhöfe, die finanzielle Unterstützung des Frauennotrufs oder die zusätzliche Aufnahme von Geflüchteten ein. Auch der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser und die Einführung funktionierender Hitzeschutzpläne ist Frauke Haselhorst wichtig. „Für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen auf lokaler Ebene zu kämpfen und sich für den Schutz der Gesundheit von alten und jungen Menschen gleichermaßen einzusetzen, gehört für mich unbedingt zusammen“, so Haselhorst.
Auf Platz zwei findet sich mit Thomas Kopp ein Neuzugang. Seit 2021 arbeitet er als Energieberater im Klimaschutz der Stadt Marburg und bringt dabei seine langjährige Erfahrung aus der Branche der erneuerbaren Energien ein. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau von Photovoltaik und Wärmepumpen – Technologien, die für eine klimafreundliche Zukunft unverzichtbar sind. Besonders am Herzen liegt ihm jedoch eine sozial gerechte Energiewende, bei der alle Bürger*innen mitgenommen werden und profitieren. Seinen Hintergrund als Wirtschaftsingenieur verbindet er mit seiner tiefen Leidenschaft für Umwelt- und Naturschutz. Dabei ist es ihm ein persönliches Anliegen, die oft wahrgenommenen Widersprüche zwischen Klima- und Naturschutz aufzulösen und beides gemeinsam voranzubringen.
Anne-Sophie Wünsche ergänzt das Trio im Kreis. Sie unterstützt die Klimaliste seit anderthalb Jahren als Geschäftsführerin beider Fraktionen. Dabei entwickelte sie den Live-Ticker aus Kreistag und Stadtverordnetenversammlung weiter – ein weithin geschätzter, demokratiefördernder Beitrag der kommunalpolitischen Transparenz – kommunizierte mit anderen Fraktionen sowie Initiativen und ist als Stimme der Liste nicht mehr wegzudenken. „Bedenkt man, wie verhältnismäßig klein die Klimaliste war und wie jung sie noch ist, ist es umso beeindruckender, was sie in den letzten Jahren geleistet hat. Ausgeruht hat sich da keine*r und keine*r kam als Politiker*in in das Amt. Sie alle kamen mit Idealen und Sorgen. Und es ist ein schönes Gefühl der Selbstwirksamkeit, Teil dessen sein zu dürfen“, so Wünsche.
Weiterhin kann sich die Klimaliste auf Oliver Kienberg und Viviane Kohlbrecher verlassen. Die Biolog*innen achten darauf, dass die ausgetüftelten Maßnahmen immer auch im Sinne des Erhalts und der Förderung von Biodiversität gedacht werden und dass beispielsweise Ausgleichsflächen umgesetzt werden wie zugesagt. Hier ist besonders wichtig, dass sowohl die Energiewende als auch notwendige Baumaßnahmen für eine klimagerechte Infrastruktur nicht auf dem Rücken von Flora und Fauna ausgetragen werden. Beide möchten dafür eintreten, dass zukünftig gerade im Bereich des Arten- und Naturschutzes, der Renaturierung und des Gewässerschutzes mehr Anstrengungen unternommen werden.
Für manche überraschend auf der Wahlliste sind zwei Namen, die sich zuletzt noch nicht bei der Klimaliste verorteten: Philip Kaufmann kandidierte 2021 noch für Die Linke Marburg-Biedenkopf, wo er sich als Co-Kreisvorsitzender stets für eine ökologische Neuausrichtung einsetzte. Seine Herzensthemen liegen in der sozialökologischen Verkehrswende mit einem starken ÖPNV, einer demokratischen, geschlechtergerechteren Welt und einer Energiewende, die nicht auf dem Rücken von prekärer aufgestellten Bürger*innen ausgetragen wird. „Ich freue mich sehr darauf zukünftig für die Klimaliste zu wirken und endlich gerechte grüne Politik im Landkreis mitzugestalten“, so Kaufmann.

Ebenfalls unter den Top 10 findet man Frank Lerche, der bis vor Kurzem als Einzelabgeordneter für die Gruppierung „Liberale und Piraten“ im Kreistag saß. Er schloss sich bereits Anfang Dezember der Kreistagsfraktion der Klimaliste an (die OP berichtete). Es sei „ein logischer und konsistenter Schritt, jetzt schon bis zur Wahl des neuen Kreistages direkt in einer Fraktion zusammenzuarbeiten“, denn: „Die Klimaliste passt“. Lerche setzt sich seit vielen Jahren für bessere öffentliche Infrastruktur im Kreis ein, wobei ihm Digitalisierung, Datenschutz, Demokratieförderung und Transparenz besonders wichtig sind.
ie beiden Wahllisten für Kreis und Stadt appellieren an die Wähler*innen, sich mit ihrer Stimme für Klimaschutz vor der Haustür einzusetzen. Für sie ist klar: Klimaschutz ist wichtiger denn je, um eine lebenswerte und sozial gerechte Zukunft für alle Menschen in Stadt und Landkreis zu gestalten.


Pressekontakt
E-Mail:
Folgen Sie uns in den Sozialen Medien
Mastodon: https://hessen.social/@klimaliste_MR_BID
Bluesky: https://bsky.app/profile/klimaliste-mr-bid.bsky.social
Instagram: https://www.instagram.com/klimaliste_marburg
Live-Ticker
Stadtverordnetenversammlung: https://t.me/StVVMarburg
Kreistag: https://t.me/+hP1m06_9BhY1ODli
